| Die Römer – eine lebendige Geschichte | ![]() |
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Geschichtsliebhabern schlägt das Herz hier aber aus einem anderen Grund höher: „Römerberg“ heißt der Hang, zu dessen Füßen sich Nehren an die Mosel schmiegt. Hoch oben zeugen zwei alte, restaurierte Gräber von einer längst vergangenen Zeit, die aber bei uns noch heute lebendig ist.
Dem kleinen Nehren haben die Römer weniger vermacht, aber auch diesen Ort prägt ihr Erbe. Erste Kunde haben wir aus dem Jahre 634: Damals wurde er als römische Siedlung „Villa Nogeria“ erwähnt. Doch hat er schon früher existiert, wie Funde nahe legen. Als Bauernhof mag alles angefangen haben. Vielleicht wurde sogar von Anfang an das angebaut, was Nehren heute noch ausmacht: Wein - kaum ein paar Quadratmeter des Römerbergs, die nicht mit Rebstöcken bewachsen wären. Einen mehrere Zentner schweren römischen Kelterstein, der hier die Jahrhunderte überdauert hat, ist seit 1996 auf dem Dorfplatz zu besichtigen. Auch im benachbarten Ediger gefiel es einigen Söhnen des eroberungslustigen Südvolkes so gut, dass sie sich niederließen und Moselaner wurden. Eine Trümmerstelle am Fuß der Weinlagen „Ediger Feuerberg“ und „Ediger Hasensprung“ datiert aus dem dritten Jahrhundert nach Christi Geburt. Auch spätrömische Gräber wurden dort gefunden. Weinberge sind erstmals für das Jahr 766 überliefert. Und immer wieder finden sich Reste aus jenen Tagen: Tonscherben, Werkzeugfragmente oder Münzen. Möglicherweise haben die Römer hier aber schon viel früher Wein angebaut. Schließlich beschrieb schon der Dichter Decimus Magnus Ausonius, als er um das Jahr 370 n. Chr. sein schwärmerisches Lied über die Mosel verfasste, darin umfangreiche Rebflächen. Wann genau es aber in unseren Breiten mit der Produktion des edlen Getränks anfing, ist unklar. Zwar gab schon Kaiser Domitian rund hundert Jahre nach Christi Geburt ein Edikt heraus, nach dem der Weinbau in den gallischen Provinzen zugunsten des Getreideanbaus einzuschränken sei, um eine Überproduktion zu verhindern – staatliche Mengenbegrenzungen, um einen europäischen Markt zu regulieren, sind also keine Erfindung unserer Tage. Die Mosel jedoch wird im Edikt des Kaisers mit keinem Wort erwähnt. Tacitus, der in etwa zu Domitians Zeit lebte, berichtet, die Germanen würden das Jahr nur in Winter, Frühling und Sommer einteilen und „einen Namen für den Herbst ebenso wenig kennen wie dessen Gaben“. Daraus leiten Fachleute ab, dass es – zumindest im Rheintal, wo die Germanen lebten - keinen Weinbau gegeben hat, gelten doch die Trauben als eine der herrlichsten Gaben der Erntezeit. Bekannt ist andererseits, dass die Kelten schon vor der Besetzung ihres Gebietes durch die Römer sehr gerne Wein tranken – und bereit waren, dafür Höchstpreise zu bezahlen. Sie importierten ihn aus dem heutigen Italien und Südfrankreich. Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus schreibt Diodor von Sizilien: „Wein lieben die Gallier über alle Maßen. Gierig sprechen sie dem Trank unablässig zu bis sie berauscht in Schlaf oder Delirium fallen. Daher nutzen auch viele italische Kaufleute berechnend die Trunksucht der Gallier als günstige Gelegenheit zur Bereicherung. Sie verschiffen den Wein auf den Flüssen oder schaffen ihn mit Wagen über Land und bekommen unglaublich viel bezahlt. Denn für ein kleines Krügchen Wein erhalten sie einen Sklaven, tauschen also für den Trank einen Mundschenk ein.“ Selbst die Namen zweier Römer, die zu Diodors Zeit durch den florierenden Weinhandel mit den Kelten reich wurden, sind überliefert: Rabirius und Galeo. Sie lieferten bis an die heutige Moselmündung. Gewiss ist, dass hundert Jahre später Kaufleute und Weinhändler in Gallien ein Netz von Handelsstationen aufgebaut hatten. Der in Lugdunum (Lyon) ansässigen Weinhändlerverbindung gehörten auch zwei Kaufleute aus Trier, also des Trevererlandes an – und Teil davon war früher auch unsere Region. Ein weiterer Handelsknoten scheint in Bonn gewesen zu sein. Angesichts der regen Importtätigkeit um Christi Geburt und im ersten Jahrhundert danach ist es also fraglich, ob die einheimischen Kelten schon vor dem Einfall der Römer Rebstöcke anpflanzten, wie verschiedentlich angenommen wird. Wenn sie es taten, müssen die Erträge entweder zu niedrig gewesen sein, um den Bedarf zu decken, oder das Produkt war von minderwertiger Qualität. |
Sowohl Rot- als auch Weißwein wurde angebaut. Um die Farbe des Roten zu vertiefen, wurde der Traubenmaische Holunder, Kirschen, Brombeeren und Himbeeren zugegeben, was sicher nicht ohne Auswirkung auf den Geschmack blieb. Getrunken wurde, wie von Tacitus beschrieben, von den Einheimischen meist unvermischt. Wer dagegen gute Sitten zeigen wollte, trank den Wein wie die Römer mit Wasser verdünnt, dafür aber geschmacklich auf vielerlei Arten nuanciert: mit Honig gesüßt oder auch mit Fruchtsäften, Gewürzen und Kräutern vermischt.
Antike Darstellungen zeigen Verkaufsläden mit Theken und Gefäßen, und man nimmt an, dass die Kunden den Wein vor dem Kauf probieren konnten, wie noch immer in südlichen Ländern üblich – und bei uns. Aus kühlem Steingut trank man damals den Wein. Funde erlauben es, uns eine gedeckte Tafel in einer Weinstube zur Römerzeit vorzustellen: Gereicht wurde das Getränk in Henkelkrügen, getrunken meist aus grauschwarzen Keramikbechern. Die Verzierung beschränkt sich anfangs auf einfache Muster und Traubendarstellungen. Später werden die Verzierungen bunter und aufwändiger: Meist schmücken weiße, zum Teil auch rotbraune Tiere, Girlanden, Blüten, manchmal auch Portraits das Geschirr. Auch Trinksprüche finden sich als Dekor. Sie haben den Weingenuss, die Liebe oder die Gesundheit zum Thema haben. Glasgefäße lösen die Keramik spätestens im vierten Jahrhundert nach Chr. ab. Im Moselort Mehring wurde ein besonders schönes Stück gefunden: ein Tellerfragment aus blauem Glas mit einem Dekor aus Goldfolie, das Ranken, Blätter und Trauben darstellt. Höchste Kunstfertigkeit, Erfahrung und Geduld erforderten die „Diatret-Gläser“, von denen einige in Köln, einem antiken Zentrum der Glasherstellung, im Römisch-Germanischen Museum ausgestellt sind. Nur sehr reiche oder hochgestellte Person konnten sich solch kostbare Weingefäße leisten: Aus dickwandigen, fehlerfreien Glasrohlingen schliff der Künstler Ornamente, Buchstaben oder Figuren plastisch heraus. Zum Schluss halten nur winzige Stege das feine Glasnetz noch am inneren, dünnwandigen Glaskörper fest. An der Mosel blicken wir also auf eine sehr alte und hochstehende Weintradition zurück. Das Getränk stand gar unter göttlichem Schutz: Im gesamten römischen Reich stand Bacchus für den fröhlichen Rausch, in unserer Region betrachtete man den gallo-römischen Vegetationsgott Sucellus als Schutzherrn der Winzer und Küfer. Geradezu sinnlich ist eine Darstellung einer personifizierten Weinrebe, der „Vitis“. Das Steinrelief wurde an der Mosel gefunden und zeigt eine junge, nackte, weinlaubgeschmückte Frau, die aus der Erde emporwächst. Unsere gallo-römischen Wurzeln pflegen wir noch heute - natürlich und in erster Linie, indem wir Wein anbauen und ihn lieben! Wenn bei einem der zahlreichen Weinfeste aber plötzlich römische Legionäre und Offiziere die Straßen bevölkern, um eine Prozession des Bacchus zu begleiten, dann mögen die blitzenden Helme und Waffen zwar neu erscheinen – die Tradition aber, die dahintersteht, ist uralt. Feiern und hart arbeiten waren und sind Lebensphilosophie an der Mosel, das eine ohne das andere sinnlos. Auch antike Kochrezepte haben wir wiederentdeckt. Bei einem römischen Abendessen oder Festmahl nach den Rezepten des in der Antike berühmten Genießers Apicius können Sie feststellen, ob die Kunde von den Schlemmereien anno dazumal berechtigt sind. Dazu wünschen wir Ihnen schon jetzt, wie bei uns schon seit Jahrtausenden üblich, von Herzen „Prosit“: Mag es zum Wohle nutzen! |
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