"Unser Calmont "

Die Lage des Weinorts Ediger-Eller hat in Europa nicht ihresgleichen. Zwar zeichnen sich alle Weinanbaugebiete durch Wärme und Heiterkeit aus. Schließlich wachsen Rebstöcke nur da, wo es die Sonne besonders gut mit der Natur meint. Doch nirgendwo auf unserem Kontinent erhebt sich ein steilerer Weinberg als hier, zwischen den Gemeinden Ediger-Eller und Bremm: der Calmont.

 

Wir leben in einer selbst für die Mosel ungewöhnlich imposanten Landschaft. Besonders eindrucksvoll erschließt sich die Szenerie von der mystischen Klosterruine Stuben auf der anderen Seite des Flusses aus. Geradezu schwindelerregend wirkt der Calmont auf den, der an seinem Fuß steht und den Blick nach oben hebt. Vor allem im Winter, wenn der Schnee die horizontalen Flächen hell vom senkrechten Schiefergestein absetzt, ist gut zu erkennen, wie schroff der Fels ansteigt. Seine Hangneigung beträgt zwischen 65 und 75 Prozent.

 

Nirgendwo sonst in Europa wird Wein unter solch schwierigen, ja, gefährlichen Bedingungen angebaut wie hier. So ist jeder Tropfen, den die Weinbauern dem Berg mühsam abringen, eine Kostbarkeit. Massenproduktion ist unmöglich, denn Maschinen sind auf den oft nur wenige Zentimeter breiten, durch steile Treppchen und Pfade verbundenen Terrassen nicht zu gebrauchen. Schwindelfrei müssen sie also sein, die Calmont-Winzer, und sehr geduldig. Weinbau ist bei uns noch zeitraubende Handarbeit – und das seit Jahrtausenden: Archäologische Funde zeigen, dass schon die Römer hier lebten und arbeiteten. Möglicherweise waren sie auch die Namensgeber des Calmont: Der lateinische Ausdruck „Calidus Mons“ bedeutet „Warmer Berg“. Oder waren es zuvor schon die Kelten, die ihn als kal (=felsig) munt (=Abhang) bezeichneten? Die Frage wird wohl immer unbeantwortet bleiben.

 

Um so sicherer ist dafür dies: Wer rund ums Jahr, bei eisigem Wind und Regen oder in der hochsommerlichen Hitze hierher in die Wand kommt, um seine Rebstöcke zu pflegen, hat etwas, das in unseren Tagen unendlich selten geworden ist: Viel Liebe zu seinem Produkt. Das schmeckt man.

 

Doch der Calmont steht für mehr als kulinarische Hochgenüsse. Mit seinem für unsere Region typischen Terrassenweinbau ist er ein Stück deutsche Kulturlandschaft. Diese Bewirtschaftungsform wird aber selbst an der Mosel, wo sie am verbreitetsten ist, immer seltener – zu gering sind die Erträge. Nur noch rund 11,5 Hektar Rebfläche werden am Calmont bewirtschaftet. Sie müssen erhalten bleiben! Zum einen für die Menschen, ob Gäste oder Einheimische. Zum anderen für die Tiere und Pflanzen, die in den Trockenmauern ihre Lebensgrundlage und Heimat haben, darunter die seltenen Apollofalter und die Smaragdeidechsen.

 

Um Ihnen, liebe Gäste, diese einzigartige Landschaft nahe zu bringen, haben wir schon viel getan. Daran arbeiten wir weiter: an beschilderten Wanderwegen und –steigen zu den schönsten Aussichtspunkten. Die Qualitätsstandards unserer Calmont-Weine sollen weiter gesteigert werden. Außerdem wird unsere Bahnstation im Ortsteil Eller einer besucherfreundlichen Renovierung unterzogen.

 

Unsere Gäste sollen sich wohl fühlen, hier am steilstem Weinberg Europas. So wie wir. Und das soll so bleiben.

 

Caudia Magerl

 

 

Gleitschirmvideo  (mpeg)  2,6 mb    Aktuell: Der Calmont Kletter-Steig

 

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