Ansprache Pater Justin

         


Sehr geehrte Damen und Herrn!

Wir danken  Herrn Wolpert für seinen exzellenten Vortrag. Es hat uns die Kirche von Ediger als Kosmos des christlicher Wahrnehmung der Welt erschlossen. Staunend stehen bei der Betrachtung dieses Bauwerks und ähnlicher Werke aus der frühren Jahrhunderten vor der Frage, wie war es möglich, das Unsichtbare, das Göttliche im sichtbaren Formen darzustellen? Die Wahrnehmung des Geheimnisvollen und Göttlichen in den Dingen ist uns heute  weitgehend abhanden gekommen. Die sinnliche Wahrnehmung war eben für unsere Vorfahren  weniger mit dem Verstand belastet als bei uns. In Symbolen wussten sie dem Geheimnisvollen immer wieder Gestalt und Form  zu geben.

Wenn uns jemand fragt, was denn "das Leben" sei, zeigen wir ihm ein Tier oder ein Kind und sagen: „Das ist das Leben!“ Anders als an einem sichtbaren Beispiel lässt es sich nicht erklären. Denn über die Brücke sichtbarer Dinge und Bilder verstehen wir das Unsichtbare. Es gibt keinen anderen Weg. Aber dass dieser Weg offen bleibt, ist eine Lebensfrage für uns heutige Menschen.

Nur das, meinen wir, sei wirklich, was wir mit dem Verstand ordnen, mit Begriffen fassen und dem, was wir schon kennen, einfügen können. Nicht Anbeter dieses technologischen Zeitalters allein denken so, sondern  auch wir Christen. Aber der Verdacht lässt uns ja nicht los, dass wir allesamt etwas aussparen. Wir halten unsere Welt für berechenbar, obwohl wir im Grunde selbst nicht daran glauben. Wir behandeln sie, als wäre sie übersichtlich von einem Ende zum anderen, obwohl wir ihre Abgründigkeit ahnen. Wir verlassen uns darauf; dass wir mit unserem wissenschaftlichen Denken auf festem Boden stehen, während wir gleichzeitig durch die Tiefen der Verzweiflung und der Angst ins Bodenlose fallen. Wir sprechen von unserer Verantwortung für die Welt, obwohl wir ahnen, dass wir allenfalls ein Gekräusel an der Oberfläche beeinflussen können, während die Grundwelle von ganz anderen Kräften bewegt wird. Wir ordnen die Welt nach unserem Maß und verlieren das Augenmaß für die bescheidene Tatsache, dass wir Menschen sind.

Vor Gott "anwesend" zu sein, das fangt auch für uns Christen dieser Zeit immer wieder damit an, dass wir bereit sind, Geheimnisse unangetastet stehen zu lassen, damit sie beginnen können, sich uns zu öffnen. Weil es sich eben um Geheimnisse handelt, was diese  alten Bauten beseelt, deshalb sind sie der Grund unseres Staunens.

 

In einem Gebet  nach Jörg Zink  wollen wir nun, um die glaubende Wahrnehmung unserer Welt  bitten.

 

Wir sind gewöhnt, von dir zu reden, heiliger Gott

Und deinen Namen in den Mund zu nehmen.

Wir machen uns Gedanken über dich,

als hätten wir dich in der Hand,

und leben dabei ohne dich

in unserer selbstgeschaffenen Welt

 

Dich selbst möchte ich finden,

nicht die Machwerke meiner Gedanken,

dich, den ich nicht fasse,

nicht begreife, nicht kenne.

 

Du sagst, in Jesus Christus

könnten wir dir begegnen.

Aber auch ihn schaffen wir ständig nach unserem Bild

und nach unseren Gedanken.

Auch er muss uns fremd werden,

damit wir ihn verstehen und in ihm dich finden,

den unbekannten, den fremden Gott.

Ich höre ihn sagen: „Selig sind die Annen.“

„Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen.“

 Das ist fremd.

Ich weiß, dass ich sein Wort erst erfassen werde,

wenn ich mein ganzes Herz daran wage.

 

Ich stehe an der Grenze meiner kleinen Welt.

Meine Gedanken schließen mich ein

wie eine Mauer.

Ich möchte ins Freie treten.

 

Jesus sagt: Folge mir nach-

Diesen Schritt möchte ich tun;

führe mich, damit ich dich finde.

 

Vorsitzende des Pfarrgemeinderates
Sonja Apel
stellvertr. Vorsitzenden im Pfarrverwaltungsrat
Norbert Krötz

Festvortrag von
Wolfgang Wolpert

Pater Justin

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